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Ladeinfrastruktur in Deutschland: Der Flickenteppich wird beseitigt

Lesezeit: 02:40 Minuten

 

Zum Thema E-Mobilität gibt es kontroverse Meinungen. Beim Thema Ladeinfrastruktur ist man sich jedoch einig: Es muss mehr passieren!

Das Thema E-Mobilität nimmt immer weiter Fahrt auf. Die Bundesregierung zahlt großzügige Subventionen für Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb, Elon Musk wird nicht nur wie ein Popstar gefeiert, sondern macht es sich mit Tesla nun auch in Berlin-Brandenburg gemütlich und Anbieter für Ladestrom schießen wie Pilze aus dem Boden. Viele Anbieter. Viel zu viele.

Der Pluralismus der E-Ladeinfrastruktur

Schaut man sich die vielen Unternehmen, Tarife und Vertragsarten an, die hierzulande zum Aufladen eines elektrischen Autos benötigt werden, erinnert Deutschland zurzeit an den Flickenteppich vor Bismarck, bei dem jedes noch so kleine Fürstentum und Königreich mit seinen eigenen Gesetzen und Zöllen versucht hat, das meiste aus den Reisenden herauszupressen.

Ein gutes Sinnbild für diese lästige Vielfalt gibt der "Universal Charger" von Opel ab. Dieses Set in Sporttaschengröße deckt alle in Europa gängigen Adapter ab, um ein universelles Laden zu ermöglichen. Denn auch hier gibt es noch keinen Standard. Kostenpunkt des Chargers: 720 €. 

Viele Köche verderben den Brei

Aktuell (Stand November 2020) stehen in Deutschland rund 17.500 öffentliche Ladesäulen von Energieunternehmen, Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, Supermärkten und Hotels bereit. Diese können Autofahrer*innen jedoch nicht einfach so nutzen, denn für jeden Anbieter ist ein separater Vertrag notwendig. Angebotene Pauschalen gehen dagegen mächtig ins Geld.

Auch die Bedienung ist nicht einheitlich – mancherorts zahlt man per Ladekarte, andernorts wird eine eigene App und entsprechend ein Smartphone benötigt. Hier wird sofort und digital vor Ort abgerechnet, dort am Ende des Monats und per Post. Es dürfte also nicht überraschen, dass auch bei der Abrechnung der Kilowattsunden (kWh) ein großes Durcheinander herrscht: Man kassiert per monatlicher Grundgebühr und pauschal per Ladevorgang je angefangene Stunde oder im Fünf-Minuten-Takt. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens EuPD Research zählte im vergangenen Jahr ganze 194 Anbieter und 288 Tarife für Ladesäulen.

Anbieter wie Ionity, die einen EU-weiten Zugang zu einer Vielzahl von Ladesäulen mit nur einer Karte versprechen, scheitern oftmals an den Verhandlungen mit den Ladesäulen-Anbietern. So verlor das Unternehmen mit EnBW einen einflussreichen Energieversorger, für dessen Ladepunkte nun Extraverträge benötigt werden.

Kostspieliges Roaming

Auch ohne einen Vertrag kann man über das sogenannte Roaming-Netzwerk an seinen Ladestrom kommen. Allerdings hat diese Praxis einen entscheidenden Nachteil: Sie ist teuer! Roaming-Netzwerke sind nämlich keine Betreiber der Säulen, sondern lediglich Rechnungsteller für den verbrauchten Strom. Dies trifft gerade diejenigen hart, die mit dem eigenen Elektrowagen vorwiegend weite Strecken zurücklegen und somit oft den Wirkungsbereich ihres regionalen Anbieters verlassen. So werden schon mal 1,25 Euro pro Kilowattstunde angesetzt – ein stolzer Preis, der an horrende Handy-Gebühren aus längst vergessenen Zeiten denken lässt.

Warum nicht einfach überall pauschal nach kWh abgerechnet wird, erklärt der ADAC. Für eine solche Abrechnung müssten hierzulande eichkonforme Zähler in den Normalladesäulen verbaut werden, da es die seit dem 1. Januar geltende Eichrechtsverordnung so vorschreibt. Dies liegt an der im Gegensatz zu Benzin- und Dieselzapfstellen fehlenden Eichung der Ladesäulen. Für die Schnellladesäulen gebe es aktuell noch nicht einmal eichkonforme Zähler, so der Autoclub.

 Ladesäule Stecker, E-Mobilität, elektrischer Wagen

Bild: Noch ist die Lage an den deutschen Ladesäulen unübersichtlich. Doch der Ausbau läuft auf Hochtouren.

Hoffnung am Horizont

Trotz des unbefriedigenden Status quo gibt es Grund zur Hoffnung. Zum einen fahren Besitzer*innen eines E-Autos durchschnittlich 50 Kilometer pro Tag. Dabei wird meist entweder an der heimischen Ladesäule aufgeladen, oder dies geschieht auf dem Parkplatz der eigenen Firma. Dies reduziert den Bedarf an unterschiedlichen Verträgen massiv, da in der Regel ein einziger regionaler Anbieter genutzt werden kann.

Zum anderen investiert die Bundesregierung aktuell massiv in den Ausbau der E-Mobilität. Aufgrund der aktuell lukrativen Prämien und Steuerbefreiungen erwarten Experten bis Ende 2021 einen Bestandsanstieg auf eine Million E-Autos. Anders ausgedrückt wäre dann hierzulande jedes fünfte oder sechste Auto ein Fahrzeug mit Batterie, Plug-in-Hybrid oder Brennstoffzelle. Es ist also davon auszugehen, dass selbst die träge Bürokratie beim Thema Ladeinfrastruktur zwangsläufig wird nachziehen müssen. Als positives Beispiel für die Machbarkeit schaue man sich den seit Ende 2003 von der Bundesnetzagentur regulierten Markt für den Mobilfunk an. 

Und tatsächlich tut sich bereits einiges. So kündigte baden-württembergische Energiekonzern EnBW erst Ende April 2021 an, am Kamener Kreuz in Nordrhein Westfalen den größten öffentlichen Schnelladepark Europas errichten zu wollen. Die Stromtankstelle solle 52 Schnellladepunkte erhalten, die E-Autos je nach Fahrzeugtyp in nur fünf Minuten mit Ökostrom für rund 100 Kilometer laden sollen. Voraussichtliche Inbetriebnahme ist bereits Ende 2021. 

Neues Gesetz treibt den Ausbau des Ladenetzes voran

Tatsächlich hat das Parlament Anfang Februar 2021 ein neues unter dem sperrigen Namen "Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz (GEIG)" erlassen, welches den Bauherren vorschreibt, dass auf größeren Parkplätzen von Wohn- und Gewerbegebäuden unter bestimmten Voraussetzungen Leitungs- und Ladeinfrastruktur bereitgestellt werden muss.

"Wer die Anschaffung eines umweltfreundlichen Elektrofahrzeugs als Alternative zum Verbrennungsmotor plant, will die Batterie seines Fahrzeugs bequem zu Hause, bei der Arbeit oder während des Einkaufens laden können", so der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU). Mit dem neuen Gesetz soll der Ladeinfrastruktur der nötige Schub verliehen werden, ohne die Gebäudeeigentümer unverhältnismäßig zu belasten.

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