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Aus der Geschichte lernen – warum die Reichweitenangst bei E-Autos unbegründet ist

Lesedauer: 4 Minuten

 

Die Vergangenheit der Tankstelle lässt uns einiges hinsichtlich der Zukunft der Ladeinfrastruktur für E-Autos lernen. Denn beide Technologien hatten ganz ähnliche Herausforderungen. Wir nehmen euch auf eine spannende Reise, die sich über 120 Jahre erstreckt. 

Von Küste zu Küste – die erste Durchquerung der USA mit einem Auto

Es ist der Frühling des Jahres 1903. Der 31-jährige Arzt und Auto-Enthusiast Horatio Nelson Jackson debattiert in dem University Club von San Francisco über die aufkeimende mechanische Mobilität und geht dabei eine 50-$-Wette (nach dem heutigen Stand rund 1,423 $) ein. Ohne jegliche Auto-Erfahrung oder gar ein eigenes Fahrzeug wettet Jackson, dass er mit einem der neuartigen Gefährte die USA komplett durchqueren könne. Dieses Vorhaben erscheint rückblickend noch ehrgeiziger, wenn man bedenkt, dass es zu jener Zeit kaum vernünftige Karten gab und weniger als 150 Straßenmeilen in ganz USA überhaupt gepflastert waren.

Sich seiner fehlenden technischen Kenntnisse bewusst, rekrutiert Jackson den 22-jährigen Fahrradmechanik Sewall K. Crocker als seinen Partner und Ersatzfahrer. Das Fahrzeug ihrer Wahl wird ein gebrauchter Winton mit zwei Zylindern und 20 PS, welches man auf den Namen Vermont tauft – zu Ehren von Jacksons Heimatstaat.

Am 23. Mai 1903 rollen die beiden Abenteurer aus San Francisco mit Kurs auf New York. Mit im Gepäck: Mäntel, Gummischürzen, Schlafsäcke, Decken, ein Wasserbeutel, eine Axt, Schaufel, Teleskop, Werkzeuge, Ersatzteile, Ersatzgefäße für Benzin und Öl, eine Kodak Kamera, ein Gewehr samt Schrotflinte sowie mehreren Pistolen.

Bereits nach 15 Meilen platzt ein Reifen und muss mit dem einzigen vorhandenen Ersatz ausgetauscht werden. Tatsächlich war es der einzige auffindbare Ersatzreifen in ganz San Francisco. Insgesamt dauert es 63 Tage, 12 Stunden und 30 Minuten, bis das Duo am 26. Juli in New York einfährt. Unterwegs erleben sie zahlreiche Abenteuer, finden einen vierbeinigen Mitreisenden Namens Bud (einen Pit Bull), lassen sich von Radfahrern den Weg zeigen, verlieren Teile ihrer Ausrüstung und zwischenzeitlich gar ihre komplette Reisekasse.

 Alte Tankstelle von Shell, Tankstelle in der Natur, Zapfsäule rostig

Bild: Die ersten Tankstellen und den USA waren wenig mehr als Handpumpen am Straßenrand.

 Was tun ohne Tankstellen?

Eine der größten Herausforderungen blieb jedoch die Versorgung mit Benzin, von dem sie insgesamt rund 3.000 Liter verbrauchten. Denn erst zwei Jahre nach ihrer Reise etablieren sich nach und nach die ersten Tankstellen im Land. Dabei handelte es sich oftmals um primitive Handpumpen, die findige Unternehmer am Straßenrand aufstellten. Es soll bis 1913 dauern, bis die erste Drive-Through-Tankstelle überhaupt im Staate Pennsylvania eröffnet. Dieses speziell von einem Architekten designte Gebäude bot neben einer vom Personal bedienten Zapfsäule auch die Möglichkeit, Kühlwasser und Reifendruck nachzufüllen sowie die Reifen zu warten.

Von all dem konnten Jackson und Crocker nur träumen. Für ihren Sprit mussten sie in die Städte fahren und hoffen, dass ein Gemischtwarenladen oder ein Schmied den Treibstoff im Angebot führte. In einer Episode radelte der junge Crocker 23 Meilen weit in eine Stadt, um seinen Kanister aufzufüllen und legte den Rückweg zu Fuß zurück, da auch sein Fahrrad einen Platten hatte.

111 Jahre später benötigte ein Tesla für eine vergleichbare Strecke genau 76 Stunden und 5 Minuten. Die Fahrer fanden sich jedoch mit der gleichen Problematik konfrontiert wie ihre Kollegen vor über einem Jahrhundert – der Ladeinfrastruktur.

Eine kurze Geschichte der Tankstelle

Wie bereits erwähnt, begann der Vormarsch der US-Tankstellen Anfang 1913. Ein entscheidender Antrieb hierbei war das Model T von Ford. Es war das erste Fahrzeug, welches massenhaft produziert werden konnte und dabei halbwegs erschwinglich blieb. Und da immer mehr Menschen Autos fuhren, stieg auch der Bedarf nach Spritsäulen, bei denen der Tankzugang des Model T schnell zum Standard wurde. 

Es sollte nicht lange dauern, bis die kleinen Unternehmer von einer Allianz der Ölproduzenten aus Texaco, Shell und Esso von dem Markt gedrängt wurden. Sie bedienten das durstige Auto-Volk mit Tankketten, die sich von ihrem Grundkonzept kaum von den heutigen Tankstellen unterschieden.

Angebot und Nachfrage

Der Öl-Industrie wurde schnell eine Tatsache klar: Je mehr Autos auf die Straße kamen, desto mehr Öl konnten sie den Fahrern verkaufen. Und je mehr Tankstellen es im Land gab, desto mehr Leute würden sich zu einem Autokauf verleiten lassen. Die Rechnung ging auf – zwischen 1909 und 1918 stieg die Zahl der Autos in den Staaten von 312.000 auf 6.2 Millionen.

Tankstellen = Ladesäulen?

Kann man diese Entwicklung mit der aktuellen Lage der E-Mobilität vergleichen? Man kann, wenn auch mit Einschränkungen. Ein entscheidender Unterschied zwischen dem Übergang von Pferd zum Verbrennungsmotor sowie dem Letzteren und einem E-Auto besteht im Ausmaß der Innovation für den Menschen. Selbst das primitivste Auto aus dem zwanzigsten Jahrhundert war eine enorme Verbesserung gegenüber dem Pferd. Alle waren begierig darauf, ein Auto zu besitzen. Das führte dazu, dass die Öl-Industrie in der Anfangszeit ihre Mühe damit hatte, den steigenden Bedarf der Autoindustrie zu decken.

Der Transfer zum E-Auto vs. Verbrennungsmotor ist damit nicht unproblematisch. Denn obwohl der Gedanke an eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung vielen Menschen imponiert, ist es keine Notwendigkeit. Der Großteil der Menschen wird eher darauf warten, bis die Infrastruktur für die E-Mobilität so weit gegeben ist, dass man die Technik bedenkenlos nutzen kann. Im Gegensatz zur Öl-Industrie vor über hundert Jahren müssen Anbieter von Ladesäulen den Trend anführen, anstatt ihm zu folgen.

 E-Ladesäule, E-Mobilität, elektrischer Smart lädt an einer Ladesäule

Bild: Neue Technologie, altes Problem. Die Infrastruktur für die E-Mobilität hat ähnliche Herausforderunegn wie das Tankstellennetz vor rund 120 Jahren.

Die Angst vor der Reichweite ist unbegründet

Obwohl jeder Fahrer gerne das Gefühl hat, eine beliebig weite Strecke ohne Probleme zurücklegen zu können, sieht die Realität so aus, dass die Reichweite der modernen E-Fahrzeuge für die meisten Fahrten völlig ausreichend ist – ganz ohne Nachladen. Die Studie „Mobilität in Deutschland“ des Bundesverkehrsministeriums zeigte bereits 2017: Während die Bewohner der Metropolen 14 Kilometer am Tag als Pkw-Fahrer zurücklegen, sind es bei den Bewohnern kleinstädtischer, dörflicher Räume 26 Kilometer.

Und mit einer entsprechenden Vorbereitung und diversen Apps, die vorhandene Ladesäulen bequem in die eigene Route einplanen lassen, werden auch längere Fahrten immer unproblematischer. Hinzu kommen staatliche Subventionen im Rahmen des steigenden Klimabewusstseins, die den Infrastrukturausbau für die E-Mobilität in naher Zukunft weiter beschleunigen werden. Auch wenn das E-Auto heute immer noch ein Hauch Pioniergeist umhüllt, ist die Technologie längst ein Teil der zeitgemäßen Mobilität geworden und damit selbstverständlich ein stetig wachsender Teil des like2drive Portfolios.

Bundesregierung weitet die Subventionen für E-Mobilität massiv aus

Im Rahmen des Ende Mai 2020 verabschiedeten Konjunkturpaketes der Bundesregierung wurden diverse Staatshilfen für die elektrische Mobilität beschlossen. So wird der Kauf eines E-Autos bis zu einem Wert von 40.000 € mit 6.000 € bezuschusst – eine Verdopplung. Darüber hinaus soll der Ausbau der hiesigen Lade-Infrastruktur ebenfalls aus dem 50 Milliarden € schweren Topf für Zukunftsinvestitionen finanziert werden. Zudem sollen Tankstellen sogar mit einer „Versorgungsauflage“ verpflichtet werden, Ladepunkte anzubieten.

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